Innovativer Mittelstand auf dem Weg nach Brasilien - WWZ-BD als kompetenter Partner 

Interview mit Christian Kutza, CEO des Technologieunternehmens FOC GmbH Berlin 

Sie sind seit dem vergangenen Jahr Mitglied des WWZ-BD und wurden auf der Mitgliederversammlung im September 2023 in den Vorstand gewählt. Welchen Bezug haben Sie zu Brasilien?

Das Unternehmen FOC – fibre optical components GmbH ist ein Hersteller von Komponenten für Glasfaserdatennetze. Die ersten Kontakte zu Brasilien hatten wir Mitte der 90er Jahre. Damals gab es eine sehr enge Zusammenarbeit mit einem Schweizer Unternehmen, das eine Niederlassung in Brasilien unterhielt. So haben wir den brasilianischen Markt, insbesondere für Daten- und Kommunikationsnetze, kennengelernt. Mittlerweile ist die Firma FOC dort auf eigenen Füssen unterwegs. Wir sind bei unseren Kontakten im brasilianischen Markt natürlich auch auf das WWZ gestoßen und der Meinung, dass das WWZ ein wirklich sehr vertrauenswürdiger und sehr kompetenter Partner ist, um den brasilianischen Markt für uns besser und sicherer zu erschließen. 

WWZ-Vizepräsident Hans-Dieter Beuthan (rechts) beglückwünscht Christian Kutza zur Wahl als neues Vorstandsmitglied des WWZ-BD 

 

Stellen Sie bitte ihr Unternehmen kurz vor.

Die Firma FOC als GmbH wurde im Mai 1993 gegründet. Wir sind ein mittelständisches Unternehmen, ein Familienunternehmen. Und wir sind ein technologiegetriebenes Unternehmen mit eigenen innovativen Entwicklungen, die führend auf dem Markt sind. Wir haben die Entwicklung, die Produktion und den Vertrieb hier in Berlin zentralisiert. Wir entwickeln die Produkte selbst, wir fertigen die Produkte selbst und bringen sie im direkten Vertrieb zu unseren Kunden. FOC hat zwischen 50 und 60 Mitarbeiter, die hier am Standort Berlin und in Vertriebsbüros Nordost und Südwest in Deutschland tätig sind. 

Christian Kutza erläutert das Boxensystem - ein Modulares Verteilersystem für Glasfasernetze mit sehr hoher Packungsdichte

 

Auf welchen Märkten liegt ihr Fokus?

Unser Heimatmarkt in Deutschland hat den größten Anteil am Umsatz. Um den Markt etwas genauer zu beschreiben: In den 90er und 2000er Jahren waren wir in den Telekommunikationsnetzen – sowohl bei der Telekom als auch bei den anderen Anbietern – sehr aktiv. Mittlerweile haben wir unser Schwergewicht auf die heute als kritische Infrastruktur bezeichneten Netze gelegt. Die Anforderungen speziell in diesen Netzbereichen sind teilweise wesentlich höher als im Telekommunikationsbereich. Dort glauben wir einfach mit unserem Motor – der Innovation – am besten aufgehoben zu sein. 

Die Erschließung neuer Märkte ist stets eine Herausforderung. Welche Erfahrungen hat FOC dabei gemacht?

Wir haben bei der Markterschließung für unsere Projekte schon an einigen Orten Erfahrungen gesammelt - wir haben zum Beispiel Projekte in Südafrika mitentwickelt und beliefert, wir haben Projekte im Mittleren Osten, in den Emiraten, realisiert. Die Grunderfahrung für uns als mittelständisches Unternehmen mit einem sehr innovativem Projekt ist, dass der potenzielle oder der dann gewonnene Kunde einfach eine direkte technische Betreuung erwartet. Als Mittelständler müssen wir feststellen, dass der Kontakt und der Aufbau eines Vor-Ort-Partners, der in der Installation und der Betreuung des Systems gut geschult ist, eine Schlüsselkomponente ist. 

Maschinelle Politur von Hochleistungsverbindern für Glasfasernetze

 

Wie war es im Falle Brasiliens?

Die Erfahrungen aus den Projekten in Südafrika und auch in den Emiraten haben wir natürlich mit nach Brasilien genommen. Uns scheint einfach der brasilianische Markt von seinen technischen Anforderungen, von den Mentalitäten und auch von den Möglichkeiten, die wir als Mittelständler haben, der geeignetste zu sein, um uns mit einem vertretbaren wirtschaftlichen Risiko und mit einer Ankopplung an die technische Entwicklungsgeschwindigkeit vor Ort zu etablieren und Projekte zu akquirieren. 

Am 21. November 2023 eröffnete die FOC GmbH eine Niederlassung in Brasiliens Wirtschaftsmetropole São Paulo

 

Sie sind seit kurzem auch Vorstandsmitglied des WWZ-BD. Wo sehen Sie die Rolle des WWZ als Brückenbauer zwischen beiden Ländern – gerade für mittelständische Firmen wie das FOC?

 Das WWZ ist aus meiner Sicht ein Verein, der nicht nur über eine allgemeine interkulturelle Kompetenz, sondern auch über einen riesigen Erfahrungsschatz und ein enormes Know-how über die Situation in Brasilien und natürlich auch in Deutschland verfügt. Diese Situation hat sich in den letzten 20, 25 Jahren sehr stark verändert – teilweise weiterentwickelt, teilweise gab es Phasen, die wirtschaftlich und kulturell, auch politisch, eher schwierig waren. Wir als mittelständisches Unternehmen sind der festen Überzeugung, dass das WWZ zum einen persönlicher Ansprechpartner für uns ist, und zum zweiten über die Kontakte verfügt, die für ein mittelständisches Unternehmen, das in Deutschland möglicherweise zu den „hidden champions“ gehört, eine Resonanzfläche schaffen. 

Was meinen Sie damit konkret?

Man kommt irgendwohin, keiner kennt einen so richtig, man präsentiert tolle technologische Leistungen, aber fragt sich, wie es danach weitergehen soll. Dort Vertrauen auf der Seite der potenziellen Kunden aufzubauen, Informationen zu bekommen, wie geht man kulturell im Business miteinander um, das sind alles Dinge, die für uns als mittelständisches Unternehmen extrem wichtig, die unverzichtbar sind, wenn man sich auf Auslandsmärkten engagiert. Wir empfinden, dass man beim WWZ über langjährig erfahrene Ansprechpartner verfügt und dass es eben nicht nur darauf ankommt, bestimmte Kampagnen aufzusetzen, sondern dass letztendlich auch in der personellen Struktur Nachhaltigkeit gegeben ist. 

Vor welchen Herausforderungen steht ihr Unternehmen im Moment?

Ich möchte gar nicht so sehr auf die wirtschaftliche Lage im Allgemeinen eingehen. Für das Unternehmen FOC kommt es immer darauf an, unter den jeweiligen wirtschaftlichen Bedingungen, sowohl was Produkte als auch die Finanzstruktur betrifft, vollkommen unabhängig zu bleiben. Und letztendlich auch einen technischen Beitrag zum Marktsegment zu leisten, der uns – auch aus dem eigenen Gefühl heraus – eine Daseinsberechtigung gibt. Das über viele Jahre hinweg zu entwickeln, ist schon eine große Herausforderung. 

Und für Sie persönlich?

Die aktuelle, große Herausforderung liegt in der Unternehmensstruktur. Ich leite das Unternehmen seit 30 Jahren. Das bedeutet, dass auch ich jetzt in eine Lebensphase gekommen bin, wo man über die Zukunft des Unternehmens nachdenkt. Dort sind die Entscheidungen ganz klar gefallen. Das Unternehmen FOC wird weiterhin Familienunternehmen bleiben. Wir befinden uns gerade in der Phase der Übergabe des Unternehmens an jüngere Familienmitglieder. Für mich bedeutet das, dass ich mich zukünftig vielleicht auch etwas meinen vernachlässigten Hobbys kann. Andererseits bedeutet das aber auch – und das sage ich nicht nur, weil wir über das WWZ reden –, dass ich mehr persönliche Ressourcen habe, um das Geschäft in Brasilien und von dort aus vielleicht auch für das gesamte Lateinamerika weiterzuentwickeln.

 Vielen Dank für das Gespräch.

Interview mit Manuel Steidle

Direktor für Mechantronics der Referenzzentren für innovative Technologien (CERTI) von Santa Catarina

Manuel Steidle

 

1. Was verbirgt sich hinter der Abkürzung CERTI?

Centros de Referência em Tecnologias Inovadoras – zu Deutsch: Referenzzentren für innovative Technologien. Das CERTI ist eine private, unabhängige Non-profit- Organisation. Es hat sich seit 1984 in Brasilien und im Ausland einen exzellenten Ruf für seine Arbeit in der angewandten Forschung, in Produktentwicklung, innovativen Prozessen, Entrepreneurship und technologischen Dienstleistungen erworben.

2. Welche Ziele verfolgten Ihre kürzlichen Reisen nach Berlin und Brüssel?

In Brüssel hat CERTI am 8. und 9. März unser Ministerium für Wissenschaft, Innovation und Telekommunikation (MCTIC) bei der Tagung Photonics21 technisch unterstützt. Dort wurden die Ergebnisse von Horizon 2020 und die Planung vom neuen FP09-Programm der EU geführt. Brasilien wird sich an diesem Programm mit den Themen Medizintechnik und Smart Cities beteiligen.

In Berlin haben wir unsere Kooperation zwischen Santa Catarina und Berlin im Bereich Photonics besprochen. Dort unterstützt Santa Catarina fünf Business Pläne von Unternehmen aus Santa Catarina. Weitere Schritte befassen sich mit der Planung von einer gemeinsamen Ausschreibung für die Finanzierung der Entwicklung von Produkten und Lösungen im Bereich Photonics, die gemeinsame Innovationen von deutsch-brasilianischen Vorhaben erlauben.

3. Wie schätzen Sie den aktuellen Stand der Zusammenarbeit zwischen FAPESC, CERTI und Berlin Partner ein?

Die Zusammenarbeit hat schon 200 Kontakte, 20 Geschäftsanbahnungen, elf Anträge für Finanzierung und fünf finanzielle Unterstützungen auf Seite von Santa Catarina ermöglicht. Dies ist eine wichtige Leistung von Berlin Partner, FAPESC und CERTI. Weitere Partner aus dem Programm http://www.optik-bb.de/de/phoenix wie Fraunhofer IPK und OpTechBB sind auch Teil dieser Arbeitsgruppe, deren Ziel es ist, den Cluster Photonics Berlin mit Santa Catarina zu verbinden. Mehr Informationen dazu gibt es auf http://certi.org.br/scb/en/

4. Welche Perspektiven sehen Sie für die Zusammenarbeit mit dem WWZ-BD?

Wir sehen, dass das WWZ-BD eine wichtige Rolle bei der Kooperation mit Santa Catarina hat und möchten gemeinsam an Geschäftsmodellen für hochwertige Lösungen arbeiten. Erfolgreiche Projekte des WWZ-BD wie in den Bereichen Energie und Biogas in Santa Catarina können auch im Bereich Photonics erreicht werden. Die Unterstützung des Markteintritts mittelständischer Berliner Unternehmen in Brasilien ist ein Beispiel für die Aktivitäten, die bereits laufen und die wir noch erweitern können. Die Stärke Berlins im Bereich Photonics und die vielfältigen Anwendungen, die sich in Brasilien anbahnen, brauchen wirtschaftliche und wissenschaftliche Kompetenzen.

Die Erfahrungen des WWZ-BD im Bereich Business und rechtliche Beratung für Auslandsgeschäfte sowie die Fähigkeit, diese mit wissenschaftlichen und Förderprogrammen zu verbinden, sind einzigartig und sehr wichtig für den Ausbau der Kooperation zwischen Berlin und Santa Catarina.

Interview mit Dr. Michael Illig,
Direktor der ME-LE Akademie

Dr. Michael Illig

Als Direktor der ME-LE Akademie pendeln Sie derzeit regelmäßig zwischen Torgelow in Mecklenburg-Vorpommern und Uberlândia im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais. Hat das mit dem steigenden Interesse Brasiliens am Thema Biogas zu tun?

Eindeutig ja. Brasilien gewinnt seinen Strom hauptsächlich durch Wasserkraft. Sehr oft reichen jedoch die Wasserreserven nicht aus, so dass es zu Engpässen in der Stromversorgung von Industrie und Haushalten kommt. Die Alternative ist Biostrom. Inputstoffe sind reichlich vorhanden. Die Viehbestände sind riesig, Substrate wie Schweinegülle und hervorragend geeignet. Die wenigen vorhandenen Anlagen sind allerdings oft technisch nicht in der Lage, Strom zu erzeugen. Biogas geht nur theoretisch und praktisch. Deshalb unser Ausbildungsprojekt mit 1.030 Stunden Vorlesung, Seminaren und Online-Studium in Brasilien vor Ort!

Wie ist dieses Ausbildungsprojekt entstanden? Wer sind dabei die wichtigsten Partner?

Die Projektidee ist eine gemeinsame Initiative von ME-LE Biogas und Wirtschafts- und WissenschaftsZentrum Brasilien-Deutschland. 2017 wurde das Projekt durch die DEG – Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft bewilligt. In Brasilien sind unsere Partner der Nationale Dienst für die Industrieausbildung SENAI und das Bildungsministerium in Brasília.

Das Projekt ist offiziell im Juni vergangenen Jahres gestartet. Doch der 30. Januar 2018 war für den Kurs und auch für Sie persönlich ein ganz spezielles Datum …

Für mich als Direktor der ME-LE Akademie und als Naturwissenschaftler des Faches Biochemie war dieser Tag ein persönlicher Höhepunkt. Auf einem Fachsymposium zum Thema „Biogas und regionale Entwicklung“ des Industrieverbandes von Minas Gerais erhielt ich eine Gastprofessur des Bundesinstituts für Bildung, Wissenschaft und Technologie (IFTM) Uberlândia. Meine Kursteilnehmer waren dabei - 27 Professorinnen und Professoren von 15 verschiedenen Universitäten – und etwa 120 Gäste aus Politik, Wirtschaft sowie von Bildungseinrichtungen. Ich habe mich sehr gefreut, dass auch meine Frau bei diesem Ereignis anwesend sein konnte.

An den Kursen der ME-LE Akademie haben bereits Hunderte Fachleute aus Deutschland und dem Ausland teilgenommen – darunter aus China, Vietnam und der Türkei. Was ist das nun Besondere an der Zusammenarbeit mit den brasilianischen Kursteilnehmern?

Die Kursteilnehmer sind hochmotiviert und fordern mich sehr - sieben Stunden Vorlesung und Seminar täglich. Neben ihrer tollen Motivation schätze ich vor allem ihre hohe menschliche Qualität. Uns verbindet nicht nur die gemeinsame Arbeit, auch die Freizeit wird gemeinsam gestaltet. Alles in allem also ein „Eldorado“ für jeden Lehrer!

Wie ist der Abschluss des Kurses im Oktober 2018 geplant?

Das 8. Modul wird ein Kurzpraktikum in einer neu gestalteten Biogasanlage im Bundesstaat Paraná sein – einem deutsch-brasilianischen Bauprojekt. Darüber hinaus gibt es noch eine Abschlussveranstaltung im Bildungsministerium in Brasilia. Hier erhalten die Teilnehmer ihr Abschlusszertifikat.

Vielen Dank für das Interview!

WWZ-Interview mit José Eudes de Freitas

José Eudes de Freitas, Vizepräsident des brasilianischen Verbandes der Energieunternehmen SINERGIAVizepräsident des brasilianischen Verbandes der Energieunternehmen SINERGIA

Was war das Hauptziel Ihrer Reise nach Deutschland?

Hauptziel der Reise war es, das System der Produktion von Elektroenergie in Deutschland kennenzulernen – vor allem den Bereich der sauberen und regenerativen Energien. Wir können auf diesen Gebieten von Deutschland eine Menge lernen. Deshalb waren die Gespräche auch so wichtig. Wir halten es für sinnvoll, zu diesem Thema einen beständigen Informations- und Erfahrungsaustauschs zwischen Brasilianern und Deutschen zu etablieren. Mit Rio de Janeiro könnten wir beginnen.

Wie war die Atmosphäre bei den Treffen in Berlin?

Sehr positiv. Wir wurden sehr freundlich empfangen. Die Gespräche verliefen in einer offenen und respektvollen Atmosphäre. Es gab eine große Bereitschaft, Antworten zu geben und Fragen zu stellen. Wir wollen in Rio de Janeiro etwas schaffen, das es uns erlaubt, eine Delegation aus Deutschland zu uns einzuladen. Dazu werden wir einen Workshop organisieren. Als Partner sehe ich neben SINERGIA auch den Industrieverband FIRJAN.

Welche Eindrücke nehmen Sie noch mit?

Wir haben hier vorgefunden, was wir erwartet hatten: Ein anspruchsvolles Programm und einen freundlichen Empfang. Die AHK Rio hat die Reise sehr gut vorbereitet. Dafür danken wir insbesondere Marina Yzú und Philipp Hahn. In Berlin hat das WWZ-BD mit Hans-Dieter Beuthan und Wolfgang Wagner einen guten Job gemacht. Wir hatten das Gefühl, das es für sie eine Herzenssache war.